Musikgeschäft & Marketing Off topic

Rechtliches zur Verwendung von Bildern im Internet

By on Mai 27, 2011

Nichts könnte abgedroschener erscheinen als diesen Beitrag mit der allseits bekannten Phrase zu beginnen: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Das weiß jeder und natürlich auch jeder Musiker, der seine Band promoten will. Oft wird das erste Bandfoto schon geschossen, bevor man überhaupt einen Proberraum angemietet hat. Was hingegen die rechtlichen Rahmenbedingungen bei  der Verwendung  von Fotos betrifft, so gibt es immer wieder Missverständnisse, die zuweilen auch vor Gericht geklärt werden müssen.

Leute, anstatt euch sofort mit einigen juristischen Fakten zu narkotisieren, einfach ein guter Rat im Voraus:

Tut euch selbst einen Gefallen und veröffentlicht ohne Absprache niemals ein Foto in irgendeiner Form in irgendeinem Medium, sofern ihr nicht selbst der Urheber des Bildes seid oder ihr die ausdrückliche Genehmigung des Urhebers habt – und das am Besten schriftlich. Dabei ist es zunächst einmal völlig unerheblich, ob ihr das Foto zu kommerziellen Zwecken einsetzt oder nicht. Auch ob ein Foto handwerklich „gut“ oder „schlecht“ gemacht ist, spielt nicht die geringste Rolle. Es ist auch erstmal völlig unerheblich, ob es widerrechtlich in einem Hochglanzmagazin erscheint oder es auf einer kaum besuchten kleinen privaten Homepage auftaucht. Das alles spielt im Zweifelsfall höchstens eine Rolle, wenn es um die Bemessung des für den Urheber entstandenen Schadens geht. Vor Gericht. Denn ihr habt gegen das Urheberrecht verstoßen, und bekanntlich schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Und Richter sind in diesem Punkt garantiert völlig humorfrei. Glaubt auch nicht, dass das Argument, ein bestimmtes Foto sei doch im Internet überall zu finden und auch kopierbar, euch zur Veröffentlichung des Bildes auf eurer Website berechtigt. Da könntet ihr genauso gut argumentieren, ihr dürftet euer eigenes Printmagazin mit Fotokopien und hochwertigen Scans aus der Vogue aufhübschen – schließlich sei die Vogue an jedem Kiosk zu haben und per Scanner seien die Fotos ja kopierbar und damit „Freiwild“ für den Bildredakteur von nebenan. Warum das so ist bzw. auf welcher rechtlichen Grundlage dies beruht, lest ihr im Folgenden.

Das Urheberrecht in der Praxis

Welche „Werke“ , wie der Gesetzgeber das nennt, genießen denn nun automatisch den Schutz des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) ? Das UrhG sagt dazu Folgendes:

§ 1 Allgemeines

Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.

§ 2 Geschützte Werke

Zu den geschützten Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehören insbesondere:

  1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme;
  2. Werke der Musik;
  3. pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst;
  4. Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke;
  5. Lichtbildwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden;
  6. Filmwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Filmwerke geschaffen werden;
  7. Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen

Für diesen Artikel von Interesse sind nun insbesondere die sogenannten „Lichtbildwerke“ – also Fotografien. Das Gesetz stellt diese ausdrücklich unter seinen Schutz. Sehr wichtig ist dabei der §1. Aus diesem lässt sich ableiten, dass es keinerlei Kennzeichnung oder „Anmeldung“ eines Werkes bedarf, um urheberrechtlich geschützt zu sein denn:

„Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.“

Stoßt ihr also auf irgendeine Fotografie im Netz, so ist von Vorneherein klar, dass diese urheberrechtlich geschützt ist. Sofern diese nicht anders gekennzeichnet ist, darf man diese zwar zu privaten Zwecken speichern und verwenden – aber nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, also veröffentlichen. Was vielen nicht bewusst ist: ob man mit gewerblichen Hintergrund im Sinne des Gesetzes fremdes Eigentum veröffentlicht oder als Privatmann/-frau, spielt keine Rolle. Eine Fotografie von seiner Lieblingsband im eigenen privaten Blog als Artikelbild zu veröffentlichen, ist bereits ein Verstoß gegen das UrhG und fällt auch nicht unter die Zitatfreiheit nach § 51 UrhG, in dem es heisst:

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn

  1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
  2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,
  3. einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.

Wenn ihr Bilder in euren Publikationen einsetzen wollt, so führt letzten Endes nichts an der Zustimmung des Urhebers vorbei, wenn ihr auf der rechtlich sicheren Seite sein wollt. Konkret auf den Berufsstand des Musikers bezogen gibt es eine ganze Menge Momente, an dem wir, bewußt oder unbewußt, mit dieser Problematik zu tun bekommen. Wenn etwa ein guter Freund Fotos von eurer Band macht, heisst das noch lange nicht, dass er einer Veröffentlichung im Sinne des UrhG zustimmt. So etwas muss abgesprochen und am Besten schriftlich fixiert werden. Ihr habt einen guten Kumpel der das Cover eurer CD oder euer Logo für Mau gestaltet? Prima. Aber jetzt stellt euch vor, ihr habt als Band Erfolg und eben diese eure CD verkauft sich plötzlich in größerem Umfang. Der Urheber des Artworks wäre noch immer in der Lage, mit einer simplen Abmahnung die Einstampfung eurer gesamten Pressung zu erzwingen, wenn ihm danach ist. Vielleicht weil er sich plötzlich übervorteilt fühlt. Vielleicht weil er zur Einsicht kommt, keinen Euro bekommen zu haben und ihr nun Gewinn auch durch seine künstlerische Leistung erzielt.

Gedruckte und bezahlte Plakate, Broschüren oder Flyer würden dann schlagartig wertlos, weil nicht mehr für euch einsetzbar. Keine schöne Vorstellung oder? Wenn ihr könnt, zahlt ihr dann garantiert jeden Preis, den ihr berappen könnt, um das zu verhindern. Die Freundschaft ist aber nach so einem Streit sicherlich dahin. Ein konkretes Beispiel wäre hier einmal mehr meine Band DANTE. Bekanntlich zeichne ich mich für das gesamte Artwork der ersten beiden CD’s und der begleitenden Marketingmaßnahmen verantwortlich. Käme es zu den berühmten „unüberbrückbaren Differenzen“, wäre ich in der Lage, jede weitere Pressung mit diesem Artwork zu unterbinden, den Verkauf von Restbeständen zu verbieten und die Entfernung aller meiner Arbeiten aus dem gesamten Internet zu verlangen – hätten wir das nicht intern geregelt. Und das wisst Ihr als Musiker sicher schon längst – böse Trennungen kommen in den besten Bands vor.

Ihr merkt schon: die Problematik des Urheberrechts wird immer gravierender, je erfolgreicher ihr als Band werdet. Ich persönlich kenne keine Band, die nicht den maximal möglichen Erfolg im Visier hat. Daher kann ich euch nur raten, beugt vor und regelt eure Angelegenheiten wie jedes Unternehmen auch im Voraus und mit Weitsicht. Beschäftigt euch mit Bildrechten und dem Urheberrecht, so trocken es auch sein mag. Das sollte umso leichter fallen, da ihr als Songwriter/Komponisten ja selbst durch das UrhG geschützt werdet. Ihr wollt ja auch nicht, dass eure Musik ungefragt dazu verwendet wird, irgendeine Filmproduktion aufzuwerten. Fotografen und Grafikern geht es da nicht anders.

Hier ein paar Links für Alle, die sich eingehender mit dieser Thematik auseinandersetzen wollen:

Kanzlei Siebert : Artikel zum Thema Bilder & Internet

Das UrhG zum Nachlesen (Bundesministerium der Justiz)

Urheberrecht bei Wikipedia

Last but not least: Vergesst bitte nicht, dass dieser Artikel zwar auf Wissen und Erfahrung beruht, aber keine Rechtsberatung darstellt. Wenn ihr sicher gehen wollt oder vielleicht im Falle einer Abmahnung werden müsst, wendet euch immer an einen auf dieses Gebiet spezialisierten Anwalt.

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6 Comments
  1. Berger Markus
    Antworten

    Sequencer

    Mai 28, 2011

    Toller Artikel. Fundiert und gleichzeitg flüssig zu lesen!

  2. Antworten

    Unger

    Mai 31, 2011

    Danke – das hat mir wirklich weitergeholfen! Was ich nicht ganz verstehe: Hier schreibt eine Band oder? Habe euch sogar bei Amazon gefunden… ist mal wirklich interessant sowas. Hab ich noch nie gesehen.

    Wie auch immer: sehe ich das richtig: ich kann nicht einfach ein Bild z.B. eines Albumcovers in meinen Blog einbinden? Aber ich sehe das doch überall und selbst Itunes lädt mir das sogar ungefragt auf meinen I-pod…

    Ist da das Gesetz noch zeitgemäß?

    • Antworten

      Alexander Göhs

      Juni 1, 2011

      Das siehst Du ganz richtig. Prinzipiell dürftest Du das nicht. Ob das Gesetz da zeitgemäß ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Im Kern wird es immer dann knifflig für Dich, wenn Du einen urheberrechtlich geschützten Inhalt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machst. Wenn man sich dies vor Augen führt, so wird auch schnell klar warum das Cover auf deinem Mp3 Player juristisch betrachtet nicht dasselbe ist wie dein Vorhaben, ein Cover in deinen Blog einzubinden. Im ersten Fall macht ein Datenbankinhaber (der das mit den Rechten wahrscheinlich auch geregelt hat) einem EINZELNEN ein Cover auf seinem Mp3 Player zugänglich wenn er die dazugehörige Musik, die ja anzunehmender Weise legal erworben wurde, abspielt. Es handelt sich also nicht um eine Veröffentlichung im Sinne des UrgH’s wie dies im zweiten Fall, deinem Blog, der Fall wäre. So würde ich das jetzt mal sehen (wie gesagt: ich bin kein Anwalt).

      Aus demselben Grund werden bei Tauschbörsen auch erstmal nur diejenigen verfolgt, die urheberrechtlich geschützte Musik zum download anbieten – und nicht diejenigen welche den Inhalt downloaden. Der eine macht den Inhalt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Der Andere (erstmal) nicht.

      Und ja: wir sind die Band DANTE. Schau doch mal auf unserer Homepage vorbei, wenn Du magst: http://www.danteband.de

      Liebe Grüße

  3. Antworten

    Malte

    Juni 6, 2011

    Nette Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Warte auf weitere Posts!

  4. Antworten

    Dr.Kolbig

    Juni 7, 2011

    Dafür, dass sie kein Jurist sind, vermitteln Sie einen ausgesprochen guten Einstieg in das Fachgebiet des Urheberrechtes. Als besonders lobenswert beim Lesen ihres Artikels empfand ich zum Einen ihren Hinweis an Ihre Leser, im Zweifelsfall einen Anwalt aufzusuchen anstatt sich letztendlich darauf zu verlassen, was Sie hier schreiben. Zum Anderen Ihre klar verständliche Sprache und die offensichtliche Motivation des Textes, Ihre Leser aufzurütteln bzw. gegenüber der Urheberrechtsproblematik im Internet zu sensibilisieren – anstatt sich im Halbwissen zu verlieren, wie ich das täglich in meiner Kanzlei erlebe.

    Mit ihrem Verweis auf §51 lehnen Sie sich zwar etwas zu weit aus dem Fenster – hier fehlt mir der Hinweis auf entsprechende Urteile. Aber im Kern haben Sie meiner fachlichen Ansicht nach Recht.

    Alles in Allem sehr lobenswert.

  5. Antworten

    mehr Kopfhoerer

    Juni 11, 2011

    Hätt‘ ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G’schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

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