Audiotechnik Off topic

Ruf der Freiheit Teil II: Das Studio für 1000 €

By on November 6, 2011

Im letzten Artikel der Faderpage habe ich das hohe Lied auf das unabhängige Arbeiten im eigenen Studio gesungen. Nun will ich mein Schwärmen endlich durch etwas konkrete Hilfestellung verwertbar machen. Das Beispielprojekt heißt : „Wie baue ich für ca. 1000€ etwas auf, womit ich ansehnliche Aufnahmen machen kann?“ Mit dieser Vorgabe befinden wir uns im klassischen Homerecording-Bereich, als dem berühmten „Schlafzimmerstudio“. Ich werde in einem der Folgebeiträge darauf eingehen, warum ich zu Studios in Schlafzimmern eine besonders innige Beziehung habe :-).

Nun, was sind die wichtigsten Zutaten die man für einen halbwegs erfolgreichen Start ins eigene Recording benötigt? Ich habe in der Tabelle einen kleinen Einkaufszettel als Beispiel zusammengestellt. Nicht in der Rechnung inbegriffen ist hier eine geeigneter Rechner, da dank der Leistung heutiger Rechner praktisch jeder halbwegs aktuelle Laptop bereits für eine einfache Produktion reicht – wenn man ihn zwischen die richtigen Komponenten spannt. Natürlich wollen wir hier keine Werbung für exakt die in der Liste genannten Produkte machen, es handelt sich einfach um typische Beispiele der jeweiligen Geräte in der für uns interessanten Preisklasse. An erster Stelle stehen, wie ihr sehen könnt, die Abhörmonitore und das Interface. Halbwegs passable Studiolautsprecher und ein vernünftiges Interface haben bei der Verteilung von Geld wenn möglich den Vorrang. Das hat den einfachen Grund, dass diese beiden Komponenten den Flaschenhals für alle Signale eurer Produktion darstellen werden. Jedes Instrumentensignal egal ob von Drums, Bass, Gitarre oder Gesang muss das Interface passieren um den Aufnahmerechner von Innen zu erleben. Deshalb : Aufnahmen über die eingebaute Soundkarte eines Laptops sind no-go. Das sollte zwar eigentlich unmittelbar klar sein und ist wegen der meist fehlenden Möglichkeit getrennte Spuren gleichzeitig aufzunehmen auch nicht besonders praktikabel. Interessanterweise habe ich aber schon Gegenbeispiele erlebt, auch wenn man das kaum glauben mag.

Dasselbe gilt für die Abhörboxen: Jedes Signal welches ihr später abhört und mischt wird durch diese Boxen wiedergegeben werden. Wird hier das Klangbild bereits verfälscht, so habt ihr während der gesamten Produktion und dem Mixdown einen falschen Eindruck von eurem Material. Deswegen wieder: Keine Computer-Desktoplautsprecher und auch nicht die 500W Mega-Dolby-Surround-Gamer-Anlage. Abhörboxen sollen weder quäkig noch „fett“, sondern neutral klingen. Nun handelt es sich bei den genannten ESI near05 natürlich nicht um High-End-Monitore, der Sprung von Computerlautsprechern zu so einem Pärchen ist aber relativ zum Preis schon sehr ansehnlich.

Ein kleiner Merkzettel für das 1000€-Starterpaket

Als nächstes kommt die Recording-Software dran: In unserem Beispiel Cubase Elements 6. Hier gibt es ein riesige Auswahl von Einsteigerprogrammen welche alle genug Aufnahmespuren und Bearbeitungsmöglichkeiten für den Einstieg bieten. Man sollte der Versuchung widerstehen Geld für schicke Software und Plug-Ins auszugeben welches dann für die Hardware fehlt, die Software ist in den meisten Fällen erst mal nicht der begrenzende Faktor. Vorraussetzung dafür ist natürlich, dass man sich für die Einsteigerversion eines tatsächlich professionellen Audiopakets entscheidet und nicht für irgendeine „DVD-Brennen mit Filmschnitt und Audioschnitt und Warmwasserbeleuchtung und…“- Bloatware (Ähnlichkeiten mit römischen Kaisern sind rein zufällig).

Nun dürfen natürlich Mikrophone nicht fehlen : Als Standard für Instrumentenmikrofonierung von Verstärkern, Bläsern und sogar mancher Trommel sollte man ein klassisches unzerstörbares Shure SM57 haben. Dazu kann ein komplettes Drumkit-Mikrophonset kommen. Auch dort gibt es erschwingliche Einsteigerpakete und man hat an diesem sehr aufwendig zu mikrophonierenden Instrument erst einmal alles versorgt. Als Gesangsmikrophon bietet sich erst einmal ein günstiger Großmembraner an, auch dort gibt es viel Auswahl, wie das genannte MXL 990. Wie gesagt, das ist alles kein High-End-Equipment, aber man kann für 1000€ tatsächlich arbeitsfähig werden! Wie wird das ganze jetzt richtig aufgestellt und verwendet? Darüber gibt’s mehr in Teil III und jetzt viel Spass beim shoppen… 🙂

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