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Ein Interview mit Michael Schetter – der Kopf hinter Generation Prog

By on Oktober 3, 2014

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Michael Schetter 2014

Im November 2014  findet einmal mehr ein Konzert statt, dass Kenner der Progressive Szene aufhorchen lassen dürfte. Die Rede ist vom Generation Prog Festival. Im Februar 2011 noch klein gestartet, mausert sich diese Konzertreihe von Jahr zu Jahr zu einem Garanten aberwitzig interessanter und auch visionärer Line- Ups von extrem hoher musikalischer Qualität. Der Ruf der Konzertreihe ist inzwischen grenzüberschreitend wie wir überrascht festgestellt haben. Und das obwohl es sich keineswegs um eine Großveranstaltung handelt. Bei dem Kopf hinter dieser Konzertreihe (auch dieses Mal gibt es eine Gratis-Compilation aller teilnehmenden Bands, etwa Haken, zum freien Download ) handelt es sich um Michael Schetter, der inzwischen auch der Betreiber des Labels Generation Prog Records ist. Selten haben wir als Band einen Veranstalter aus der Szene kennengelernt, der so leidenschaftlich zu Werke geht und auch so konsequent an der eigenen Vision arbeitet und festhält. Wir finden es ist Zeit euch mal jemanden aus der Szene vorzustellen, der maßgeblich dazu beiträgt diese mit Leben zu erfüllen. Alex hat Michael getroffen und ein Interview geführt. Und bevor Fragen kommen: Nein, DANTE spielen NICHT auf dem Generation Prog Festival 2014 und wurden auch nicht gefragt. Wir haben keinerlei Eigeninteresse. Wir finden ganz einfach, dass Veranstalter wie Michael Schetter eure Aufmerksamkeit verdienen, insbesondere wenn ihr Fans von progressiver und anspruchsvoller Musik seid. Zeit für eine Bestandsaufnahme:

Michael Schetter - Veranstalter des Generation Prog Festivals und Inhaber des gleichnamigen La

Michael Schetter – Veranstalter des Generation Prog Festivals und Inhaber des gleichnamigen Labels.

Hallo Michael,

erst mal Danke für Deine Zeit. Du steckst ja mitten in den Vorbereitungen für das nächste GENERATION PROG FESTIVAL. In der Szene hast Du Dir ja inzwischen einen guten Ruf und einen Namen erarbeitet. Vielleicht mal zu Beginn für alle unsere Leser hier, die GENERATION PROG und die Idee dahinter, die ja weit über die genannte Veranstaltungsreihe hinaus geht, nicht kennen – vielleicht ein paar Worte von Dir zur der bisherigen Geschichte des Festivals und Deines Labels? Warum hast Du all das ins Leben gerufen?

Es ging ja mit dem Festival los. Nach dem ersten Konzert der Generation-Prog-Reihe Anfang 2011, bei dem Ihr (Dante) ja neben meiner Band Relocator und Effloresce auch gespielt habt, begann die Arbeit am ersten internationalen Festival, das über zwei Abende gehen sollte. So würden zum einen unsere jungen lokalen Prog-Bands die Gelegenheit kriegen, die Bühne mit bekannteren Künstlern aus dem Ausland zu teilen, und die wiederum bekämen die Möglichkeit, mal in Nürnberg aufzutreten – wir wollten solche Bands holen, die im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen aus dem Inside-Out-Lager nicht regelmäßig auf Tour waren. Wir hatten schon im Vorfeld mit einigen Bands Kontakt aufgenommen und so war schnell klar, dass wir Andromeda (Schweden), Haken (England/Mexiko) und Exivious (Niederlande) nach Nürnberg holen könnten – das war die Basis für das erste so bezeichnete „Generation Prog Festival“, das am 23. und 24. September 2011 stattfand. Ich hatte von Anfang an gesagt, dass ich das nicht jedes Jahr zum gleichen Termin wiederholen wollte, falls sich kein ausreichend stimmiges Programm finden würde, und so fanden die nächsten zwei Konzerte dann jeweils im April statt. 2012 mit einem weitgehend deutschen Lineup (die auswärtigen Gäste waren Dreamscape und Counter-World Experience) und 2013 dann mit dem Fokus auf Instrumental-Musik aus dem progressiven Bereich zwischen Jazz und Metal, mit Panzerballett und den großartigen Special Providence aus Ungarn als Gästen. Dieses Jahr ist es zum ersten mal wieder ein „richtiges“ Generation Prog Festival mit einem bunten, sehr internationalen Programm: Haken (England/Mexiko/USA), Kristoffer Gildenlöw samt Band (Schweden/Niederlande), Exivious (Niederlande), Beyond the Bridge (Deutschland/Belgien) und meine Band Relocator, die ihr 10-jähriges Jubiläum mit einem sehr speziellen Set mit einigen Covern von Prog-Klassikern feiert. Unser Bandlineup ist dabei internationaler denn je, denn neben zwei Holländern an Drums bzw. Geige/Gitarre wird uns bei den Coverstücken noch der amerikanische Sänger Paul Adrian Villarreal (Sun Caged) am Mikro unterstützen. Und dazu kommt noch der Gastauftritt eines indischen Perkussionisten! Parallel zu den Konzertgeschichten habe ich Anfang 2012 das Label Generation Prog Records gegründet, das mit dem Release des Debütalbums von Effloresce startete. Es folgten im September 2013 die Debütalben von Circle of Illusion aus Österreich und vom italienischen, in den USA lebenden Keyboarder Alessandro Bertoni, der für seine CD als Begleitband mit Virgil Donati, Brett Garsed und Ric Fierabracci drei der besten Prog/Fusion-Musiker der Welt verpflichten konnte. Am 6. Oktober 2014 folgt mit The Vibrant Sound of Bliss and Decay von Cea Serin unser bisher wohl größter Release, der von der Rock Hard als „das Prog-Metal-Album des Jahres“ bezeichnet wird. Im November geht’s weiter mit dem selbstbetitelten Debüt von THEO, einem Prog-Rock-Projekt des amerikanischen Keyboarders Jim Alfredson, den ich schon lange als Kopf des modernen Jazz-Orgel-Trios Organissimo schätze.

Das Line Up dieses Jahr liest sich ja verdammt gut. Wie viel Arbeit steckt in der Vorbereitung für so ein Konzert?

Das Generation Prog Festival 2014. Verdammt empfehlenswerter Termin

Das Generation Prog Festival 2014. Verdammt empfehlenswerter Termin

Danke! Bei den größeren internationalen Veranstaltungen wie 2011 und 2014 ist es bisher immer ca. 7-8 Monate gewesen, die kleineren Events 2011, 2012 und 2013 sind vergleichsweise kurzfristig geplant worden – ca. 3 bis 4 Monate. Bei internationalen Gästen, die nicht eh schon auf Tour sind, steckt halt noch einiges mehr an Vorbereitung hinter so einem Auftritt: Flüge, Hotels, Leih-Instrumente – ein Großteil davon wird von mir organisiert. Dazu kommt natürlich noch die PR-Arbeit, das Design von Flyern, Plakaten und Anzeigen (in Zusammenarbeit mit Grafikern) und zusätzliche Aktionen wie die Gratis-Compilations mit allen Festival-Bands, wie es dieses Jahr wieder eine geben wird. Aber eine frühe Planung ist ja schon alleine deswegen Pflicht, weil die wenigsten Locations kurzfristig noch gute Termine verfügbar haben. Es ist für mich wichtig, Termine am Wochenende zu kriegen, da ein beträchtlicher Teil des Publikums von weiter weg anreist. Ich hab die endgültigen Zahlen nicht im Kopf, aber lange Zeit lag die durchschnittliche Entfernung, die Ticketbesteller des 2011er-Festivals zurücklegen mussten, bei über 400 km! Das wäre nicht der Fall, wenn der Termin unter der Woche wäre. Manche Prog-Fans reisten sogar aus ca. 1000 km Entfernung an! Dieses Jahr sieht’s ähnlich aus, wir haben sogar schon Tickets nach Brasilien und Norwegen verkauft.

Anmerkung: auch dieses Mal gibt es eine Gratis-Compilation aller teilnehmenden Bands des Festivals, etwa Haken, zum freien Download – mit satten 76 Minuten Spielzeit. Zuschlagen!

Man kann Dich ohne jede Übertreibung als echten Musikkenner und Musik- Enthusiasten bezeichnen. Welche Veröffentlichungen aus dem Progbereich haben Dich die letzten Jahre am meisten beeindruckt bzw. würdest du spontan empfehlen?

Ein Teil der Antwort fällt mir sehr leicht, denn erfreulicherweise habe ich viele der Bands, deren Platten mich in den letzten Jahren beeindruckt haben, bei meinen Konzerten zu Gast gehabt – und bei manchen arbeite ich noch daran. Hier jedenfalls 10 tolle Prog-Alben aus den letzten 5 Jahren:

Beyond the Bridge – The Old Man and the Spirit
Counter-World Experience – Music for Kings
Cynic – Carbon-Based Anatomy
Dream Theater – A Dramatic Turn of Events
Exivious – Exivious
Haken – Visions
Panzerballett – Tank Goodness Special
Providence – Soul Alert
Steven Wilson – The Raven that Refused to Sing
Toxic Smile – I’m Your Saviour

Außer Konkurrenz erwähnen möchte ich natürlich auch die Platten, die mich so sehr beeindruckt haben, dass auf meinem Label Generation Prog Records erschienen sind:

Alessandro Bertoni – Keystone
Cea Serin – The Vibrant Sound of Bliss and Decay
Circle of Illusion – Jeremias Foreshadow of Forgotten Realms
Effloresce – Coma Ghosts

Wenn du genau eine Band nennen dürftest, die du dann ohne wenn und aber über dein Label veröffentlichen dürftest…welche Band wäre das? Und – jetzt wird es gemein – warum?

Andromeda. Ich bin seit dem Debüt ein großer Fan der Band und es wäre cool, wenn sie nach den ständigen Wechseln (mit jedem Album aufs Neue…) mal bei einem Label landen würden, bei dem Prog nicht nur ein Randthema ist.

Was war der schönste Moment für Dich in den letzten Jahren bezüglich GENERATION PROG?

Das war sicherlich das Ende des Relocator-Auftritts beim Generation Prog Festival 2011. Ich hatte uns ganz frech direkt zwischen die Headliner Andromeda und Subsignal gelegt und erfreulicherweise sind die Zuschauer nicht geflüchtet, sondern haben uns zum Abschluss noch einen fetten Applaus spendiert. Die Stimmung war großartig!

Labels haben es heute schwer, progressive Musik ist eher Kunst in der Nische – gab es Momente in den letzten Jahren, in denen Du gesagt hast: „Hey jetzt schmeiß ich alles hin..“ ?

Nicht wegen der Labelarbeit, aber bei der Organisation der Konzerte gab’s schon einige Ereignisse, die mir ziemlich die gute Laune verdorben haben. Zum Glück sind die meisten Künstler in der Szene sehr nett und umgänglich.

Kommen wir mal zu Deinem eigenen Label GENERATION PROG RECORDS. Was muss eine Band haben, dass Du Dich für sie interessierst?

Spürnase: Michael hatte schon 2011 HAKEN nach Deutschland für das Generation Prog Festivial gebracht.

Spürnase: Michael hatte schon 2011 HAKEN nach Deutschland für das Generation Prog Festivial gebracht.

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, da ich generell sehr unterschiedliche Musik mag. Aber ich versuch’s mal: Es sollte eindeutig die Prog-Komponente erkennbar sein. Und auch wenn ich persönlich die Prog-Klassiker zu schätzen wisse, bin ich nicht sonderlich interessiert an allzu aufdringlicher 70er-Jahre-Nostalgie. Klassische Einflüsse schön und gut, aber dann doch bitte mit einem modernen Touch. Ansonsten bin ich stilistisch ziemlich offen, wie die bisherigen Releases ja auch deutlich machen: Vom starken Fusion-Element des Alessandro-Bertoni-Albums über die Filmmusik- und Funk-Einflüsse von Circle of Illusion bis hin zum Metal-Brett, das Cea Serin immer wieder auffahren – das Spannende am modernen Prog ist ja eben, wie vielfältig die Stilrichtungen sind, die die Bands miteinander kombinieren. Das Wichtigste ist letztendlich natürlich die Qualität: Es müssen Alben sein, die nicht nur für die regionale Fanbasis interessant sind, sondern wo ich auch den Eindruck habe, dass auch Leute aus den USA oder Japan sich dafür interessieren könnten. Letztendlich muss jedes der Alben, das bei meinem Label erscheint, sich eine Platzierung unter meinen Top-Alben des Jahres verdienen – sonst lohnt sich ja der ganze Aufwand nicht!

Bei den letzten GENERATION PROG FESTIVALS gab es Angebote, für Tickets im Verbund mit günstigen Hotelübernachtungen. Ein tolles Bundle wie wir finden. Wird es das dieses Jahr auch wieder geben?

Ja, es gibt auch dieses Jahr wieder solche Hotelpakete – allerdings nur noch bis Ende Oktober, dann läuft die Reservierungsfrist des Hotels ab!

Wenn Du sagen wir mal 10 Jahre weiterdenkst….wo würdest Du das GENERATION PROG FESTIVAL und Dein Label dann gerne sehen?

Klasse Sache: Tickets und Hotel für Generation Prog Festival im Bundle. Auch dieses Jahr zu haben.

Klasse Sache: Tickets und Hotel für Generation Prog Festival im Bundle. Auch dieses Jahr zu haben.

Das Ziel für das Festival ist es, diese Konzerte als Prog-Institution im Süden Deutschlands zu etablieren und durch ein hochwertiges internationales Programm regelmäßig einige Hundert Zuschauer aus aller Welt anzuziehen. Ich denke, wir sind auf dem besten Wege dorthin. Wichtig ist mir dabei, dass auch Bands etwas abseits vom Prog-Mainstream präsent sind – speziell Instrumentalbands sind bei uns gern gesehen. Das Label möchte ich als Markenzeichen für hochwertigen modernen Prog etablieren. Von der Qualität her möchte ich das hohe Niveau halten – die Reviews aus aller Welt haben letztendlich meine Einschätzung bestätigt, dass die bisherigen Releases den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Was noch fehlt, sind bekanntere Namen, denn die ersten CDs waren ja allesamt Debütalben. Ein erster Schritt ist schon mal getan, denn mit Cea Serin habe ich jetzt eine amerikanische Band unter Vertrag, auf deren zweites Album die Fans satte 10 Jahre gewartet haben – da ist die Resonanz natürlich ganz anders aus als bei einem Debüt einer völlig unbekannten Band aus Österreich.

Michael, ein herzliches Dankeschön für das Gespräch!

Hier gibt es Tickets für das Generation Prog Festival 2014 :

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Anmerkung: auch dieses Mal gibt es eine Gratis-Compilation aller teilnehmenden Bands des Festivals, etwa Haken, zum freien Download – mit satten 76 Minuten Spielzeit. Zuschlagen!

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