Audiotechnik Off topic

„Hilfe, ich hoere mich nicht“ – Autarkes Bandmonitoring

By on Juli 26, 2011

Wenige Dinge sind nerviger und für die musikalische (Band-) Leistung abträglicher als wenn die Bandmusiker sich selbst und die Kollegen nicht oder kaum hören – und wer nicht hört, spielt automatisch schlechter und auch schlechter zusammen. Kann man im Proberaum da bei bei guten Kontakten zum Ohrenarzt des Vertrauens und unter Inkaufnahme des unweigerlich entstehenden Soundbreis zumindest irgendwie zurechtkommen, indem der Reihe nach alle lauter werden, sieht das live on stage eher schlecht aus. In den meisten Fällen spielt man in kleinen Clubs mit entsprechender Bühnengröße, da läßt das weitere Aufdrehen der Amps zwar nett die Hosen flattern, hören tut man aber trotzdem nichts. Einziges Resultat ist dann, dass durch die immense Bühnenlautstärke der Sound im Raum noch schlechter wird als er es – alte PA und schlechte Raumakustik sei Dank! – ohnehin schon ist.

Zudem, und da sind wir dann schon im Bereich Monitoring, ist die Realität leider allzu oft die, dass man es mit mäßig begabten und/oder interessierten FOHs zu tun hat, die jeden Abend eine andere Band haben, die sie nicht interessiert und die dann eben abgewickelt wird, und die oft genug schon damit überfordert sind, einzelne Signale zu den Musikern zu bringen. Nimmt man dann noch in die Rechnung auf, dass das Monitoring Equipment (Wedges etc.) vor Ort oft alt, schlecht oder gleich ganz kaputt ist,
kann man sich ausmalen, was man da oft von sich und der Band hört – nämlich nichts!

Unter diesen Voraussetzungen empfiehlt es sich meiner Ansicht nach sehr, sich als Band so aufzustellen, das man sich schlicht selbst um sein Monitoring kümmert – darum, sich hören zu können, ohne auf externe Hilfe angewiesen zu sein. Und das ist gar nicht so schwer, auch ohne sich ein ganz teures Netzwerk- Monitoring-System kaufen zu müssen. Mit etwas Überlegung, wer welches Signal braucht, kommt man da mit recht einfachen Mitteln zum Ziel. Es spielt hierbei auch kein Rolle, ob man herkömmliches Monitoring oder InEar-Monitoring betreibt, es geht primär nur darum, den einzelnen Musikern die gewünschten Signale zukommen zu lassen. Wie aufwändig man das dann betreiben möchte, bleibt dann natürlich jedem selbst überlassen, von „alle bekommen alles“ bis „jeder bekommt sich“ ist da alles möglich.

Nur kurz zum Thema Wedges oder InEar: wie bereits erwähnt, spielt das im Prinzip keine Rolle für das Monitoring, jedoch möchte ich mich da persönlich ganz klar positionieren: an ein gutes InEar Monitoring reicht für mich keine Wedge-Lösung heran (jedenfalls ab einer gewissen Grundlautstärke der beteiligten Instrumente), es ist meinem Dafürhalten nach schlicht nur so möglich, möglichst klare und – auch das sehr wichtig für sauberes Spiel – moderat lautes Monitoring zu bekommen. Und bevor jetzt die ganzen Aufschreie kommen, man fühle sich da isoliert, fühle die Energie nicht so gut etc.: das ist alles eine Frage der Gewöhnung und des richtigen ausgewählten InEar-Equipments. Aber wie gesagt, für das Thema Autarkes Bandmonitoring ist das letztlich per se unerheblich.

Mit unserer Band DANTE hatten wir in vielerlei Hinsicht sehr stark die oben beschriebenen Probleme. Unsere Musik (Prog!) ist schlicht sehr komplex und spielerisch recht anspruchsvoll, und so ist es eben nicht damit getan, einfach im 4/4-Takt die Bluesharmonien weiterzuschrubben, wenn man mal nichts hört. Es war praktisch unmöglich, das on stage zu realisieren ohne sich um ein unabhängiges Monitoring zu kümmern, das sicherstellt, dass immer alle alles hören können und auch selbst die Kontrolle darüber haben.

Ich möchte im Folgenden erläutern, wie wir das als Band realisieren und denke, dass das als Anregung für viele Bands und Musiker dienen kann. Letztlich geht es schlicht darum, sich genau Gedanken zu machen und die vorhandenen Routing-Möglichkeiten der Mischpulte auch wirklich zu nutzen. Wie erwähnt sind absteigend von unserem recht komplexen Modell-Monitoring viele Untermöglichkeiten denkbar.

Die Band:

Zum Band-Setup: wir spielen mit Schlagzeug, Gitarre, Bass, Keyboards, Leadvocals und 2x Background-Vocals (Keyboards & Drums). Da wir etliche komplett orchestrierte Parts haben (und nur einen Keyboarder), haben wir vereinzelt Einspieler von einem HD-Recorder, was es ferner nötig macht, einen Click-Track laufen zu haben (auch der kommt vom HD-Recorder). Lediglich unser Sänger zieht es vor, sich nicht über InEar zu hören, sondern alle Monitorsignale auf einem Wedge zu haben. Wie sieht das nun im Einzelnen aus?

Das Bandmonitoring:

Unser Bandmonitoring basiert auf 2 „Zentralen“ (=Mischpulte): eines im Rack beim Drummer (in das auch der HD-Recorder eingebaut ist), eines beim Keyboarder. Hier kommen alle Signale zusammen und werden weitergeleitet. Basser und Gitarrist haben auch je ein Mischpult im Rack, in das jeweils das eigene Tonsignal eingespeist wird, das dann über den Umweg der Zentralen an den FOH weitergeleitet wird und sich selbst und den anderen Musikern zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus sammeln die beiden im Mixer nur die Monitoring Signale, die sie darüber hinaus noch haben wollen (Keys, Click, etc.), dementsprechend fällt der Rackmixer hier auch kleiner aus als bei den beiden zentralen Mischpulten. Hier setzen wir zwei 16 Kanal Mischpulte mit flexiblen Routing-Möglichkeiten ein.

Hier ist schon eine Voraussetzung des autarken Band-Monitorings genannt: die Signale der Instrumente (exklusive Drums) gehen ZUERST in das Mischpult, DANN an die Stage Box! Nur so nämlich wird es möglich, dass man sich die benötigten Signale für die Band so abzweigt, dass man nicht mehr auf den Soundmenschen angewiesen ist. Das bedeutet aber natürlich auch, dass das Mischpult auch Einfluß darauf hat, wie es draußen klingt, und je besser das Pult, desser natürlicher und cleaner ist auch das Signal, das beim FOH ankommt – was auch immer der und die PA dann daraus machen! Das heißt aber natürlich im Umkehrschluß nicht, dass nur Top-End-Mischpulte in Frage kommen, sondern nur, dass man da keine kompletten Billigheimer einsetzen sollte. Der mikrofonierten Metalbrett-Gitarre ist es recht egal, ob sie jetzt durch ein 1000€ Mackie Pult oder ein Mittelklasse Pult läuft!

Bevor ich auf die Verkabelung und die Signalverteilung der beiden Zentralen-Mischpulte (Keys & Drums) zu sprechen komme (und damit den Kern unseres Bandmonitorings), gehe ich also noch kurz auf die Verkabelung von Gitarre und Bass bei DANTE ein.

Das Gitarren-Rack:

Der Gitarren-Amp wird mit einem Mikrofon abgenommen (in unserem Fall standardmäßig mit einem Shure SM 57), das Signal läuft dann direkt in den Rackmixer des Gitarristen, der auch die Phantomspeisung für das Mikrofon bereitstellt. Von dort geht das Signal über die Subgruppe pre-fader direkt an eine DI-Box (im Keyboard-Rack verbaut), von wo das Signal über den Main-Out direkt als Line-Signal an den FOH-Engineer geht, über den Link Out der DI Box geht das Signal in das Keyboard-Mischpult, das dann die Weiterverteilung des Signals an die Band übernimmt (s.u.). Im Übrigen leisten DI-Boxen mit „Link“-Funktion sehr gute Dienste beim Band-Monitoring, da man so immer bequem das Signal nochmals so anliegen hat, wie es auch der FOH bekommt.

Der Gitarrist kann sich somit am eigenen Mischpult unabhängig vom Signal für Band und FOH sein eigenes Monitoring-Signal regeln (Signale, die zum FOH gehen, sollten nach Möglichkeit immer pre-fader sein, damit da nicht aus Versehen das Signal verstellt wird! Geht das nicht, etwa weil das verwendete Pult keine solche Möglichkeit bietet, muß man mit anderen Mitteln sicherstellen, dass da nichts verstellt wird – passiert es trotzdem und das Publikum schaut irritiert: nichts anmerken lassen und böse Richtung FOH schauen, später dann unauffällig den Kanal wieder einpegeln! 🙂

Das Bass-Rack:

Der Bass wiederum geht in die genannte DI Box im Keyboard-Rack, von da wiederum als Line-Signal weiter an den FOH. Der Bassist hat sein eigenes Signal über den Link der DI-Box im eigenen Pult anliegen (s.o.) und leitet es dann über seinen Rackmixer an die anderen Musiker weiter.

Der „Umweg“, erst in die DI (Keys) zu gehen, dann per Klinke in den Rackmixer Bass und von da wieder in die anderen Mischpulte, hat den Hintergrund, dass am Mischpult kein pre-Fader Send-Kanal mehr frei ist und es nur mit einem solchen gewährleitet ist, dass der Basser sein wichtigstes Signal, nämlich das eigene, immer selbst in der Hand hat.

Kommen wir nun zu den beiden Hauptkompinenten, den Mischpulten bei den Drums und den Keyboards.

Zentrale 1: Das Schlagzeug-Rack:

Das Schlagzeug ist das einzige Instrument, das nicht in das Monitoring eingespeist wird – aber wenn man eins immer hört auf der Bühne, dann die Drums!

Im Rack bei den Drums ist der HD-Recorder eingebaut, der den Clicktrack und die Orchestereinspieler abspielt. Der Schlagzeuger greift beide über das 16 Kanal Mischpult intern direkt für sich ab, und beide gehen per Klinke in das Mischpult Keyboards (näher s.u.). Ferner ist im Rack ein TC Electronic Hallgerät verbaut, das für die Effektierung der Leadvocals und der Backgroundvocals (Drums) verwendet werden kann, so dass wir immer gute Gesangsreverbs haben (falls benötigt) – ein weiterer Punkt, wo wir von den Gegebenheiten vor Ort unabhängig sind. Über das Mischpult leitet der Schlagzeuger beide Gesangsspuren an den FOH weiter, und verteilt sie ferner an alle Musiker per Klinkenkabel weiter.

Zentrale 2: Das Keyboard-Rack:

Im Rack Keyboards laufen mehrere Audiosignale zusammen. Hier sind 2 DI-Boxen mit Link Funktion verbaut, die wie oben beschrieben, die Signale von Bass und Gitarre sammeln und an FOH und Band weiterleiten. Vom HD-Recorder kommen per Klinkenkabel Clicktrack und Playback (s.o.), die ich für mich auf getrennte Kanäle gelegt in das 16 Kanal-Mischpult leite. Der Clicktrack wiederum wird auf die AUX-Ausgänge 1 & 2 gelegt (beide pre-Fader) und von da an Bassist und Gitarrist weitergeleitet. Auf die Weiterleitung des Playbacks verzichten wir, es wäre aber problemlos möglich, indem ich das Signal auf einen noch freien Stereokanal im Mischpult leite (was immer dann geht, wenn ich nicht gerade mit 4 Keyboards auf der Bühne stehe – also praktisch immer!), von wo es dann über die Direct Outs weitergeleitet werden könnte.

Für den Backgroundgesang verwende ich ein kleines TC Electronic-Modul, das auf den Keyboards steht und die gleiche Funktion hat wie der oben beschriebene größere Bruder: einen guten Reverb bei Bedarf zur Hand zu haben und das Signal einerseits zum FOH zu leiten, andererseits für alle Musiker zum Monitoring abzugreifen. Der Grund, warum ich auf ein eingebautes 19″ Rack verzichte, ist, dass ich die Bedienelemente in Griffweite haben muß, da ich neben „normalen“ Backgroundvocals auch alle „effektierten“ Gesangsspuren übernehme (Megaphoneffekte etc.), da wäre es doch ziemlich unpraktisch, müsste ich mich da jedes mal zum Rack beugen.

Das genaue Routing der einzelnen Signale im Keyboard-Rack verdeutlicht folgendes Diagramm, die Kürzel MM, MB, CE und MAB stehen herbei für die einzelnen Bandmusiker (für eine größere Version des Bildes bitte clicken):

Verkabelung Keyboardrack / Monitoring

Verkabelung Keyboardrack / Monitoring

Hier nun also der komplette Signalweg unserer Band DANTE, mit dem wir sicherstellen, daß wir uns immer und jederzeit alle hören können (für eine größere Version des Bildes bitte clicken):

Die Grundprinzipien des Autarken Bandmonitorings:

Abschließend bleibt nur zu sagen, daß der Aufbau, so wie ihn wir betreiben, sicher auf den ersten Blick verwirrend wirkt, jedoch ist er  bei genauerem Hinsehen völlig stringent aufgebaut und orientiert sich an den 2 Grundprinzipien des autarken Bandmonitorings:

  1. Alle Signale werden in einer Zentrale gesammelt und gehen erst dann an die Stage Box
  2. Von der Zentrale werden die Monitorsignale direkt abgezweigt und an die Musiker weitergeleitet

Der Monitoring-Aufbau, wie wir ihn betreiben, ist in verschiedenen Ausprägungen zu realisieren. Die meiste Arbeit steckt in den Vorüberlegungen: wer braucht / möchte welche Signale, und wie kommt er an sie? Welche Routingmöglichkeiten bietet mein Mischpult und wie kann ich sie im Hinblick auf die Signalverteilung einsetzen? Ist man sich darüber im Klaren, kann es losgehen. Die Kabel sind dann alle fest in den jeweiligen Racks verbaut, und es gilt dann beim Auftritt nur noch, ein paar beschriftete und gebündelte Kabel von  und zu den Musikernzu legen – kein großer Aufwand für viel Komfort! Und spätestens dann hat man eine Ausrede weniger für schlechtes Spiel! Wir als Band möchten jedenfalls den Komfort, jederzeit Herr unseres Monitormixes zu sein, definitiv nicht mehr missen!

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