Audiotechnik Off topic

Der Clicktrack – Ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg im Studio

By on April 1, 2011

Zu den wichtigsten und absolut unverzichtbaren Hilfsmitteln bei jeder Studioproduktion gehört der Clicktrack, also die vorgefertigte Metronomspur, welche Timing, Geschwindigkeit und Songablauf des aufzunehmendem Stückes festlegt. Dieses einfache und unscheinbare „Tick-tock-tock-tock…“, welches nach Abschluss der Produktion im Song überhaupt nicht mehr vorkommt, ist tatsächlich ein unglaublich mächtiges Werkzeug. Es gibt meiner Meinung nach kaum ein ein anderes Gerät oder Hilfsmittel, welches gleichzeitig so viele verschiedene wichtige Funktionen erfüllt. Ich würde niemals ein neues Projekt für einen Song ohne Clicktrack beginnen.  Trotzdem führt der Einsatz einer Metronomspur bei manchen Bands nicht selten zu Diskussionen unter den Musikern. Ein häufig genanntes Argument gegen die Verwendung eines Clicktracks bei der Aufnahme ist die Befürchtung, der Song könnte am Ende „steril“ klingen und „nicht grooven“. Der Irrtum könnte nicht größer sein. Ein Song beginnt richtig zu grooven, wenn Noten bewußt leicht vor oder hinter einen gleichmäßigen Pulsschlag gesetzt werden. Schlampiges und ungleichmäßiges spielen hingegen hat mit „Groove“ überhaupt nichts zu tun. Dementsprechend möchten viele Musiker gerne der Tatsache aus dem Weg gehen, dass die Aufnahme „auf Click“ die Schwächen des eigenen Timings gnadenlos offenlegt – keine Frage, sicheres Timing und das Spielen zu einem Metronom müssen geübt werden. Gerade für Schlagzeuger sollte das selbstverständlich sein, ist aber leider auch nicht die Regel. Die Liste der Vorzüge einer Aufnahme auf einen gut vorbereiteten Clicktrack ist fast endlos:

  • Der Song hat eine festgelegte Struktur, es gibt keine Diskussion über den Ablauf während der Aufnahme.
  • Der Song hat ein festgelegtes Tempo. So trivial das klingen mag, die Entscheidung für oder ein bestimmtes Tempo ist absolut entscheidend für das Gelingen des Songs. Wenn man erst bei der Aufnahme der Instrumente merkt, dass der Drummer im falschen Tempo gespielt hat, so ist viel (eventuell teure) Studiozeit vergeudet. Gerade das richtige Tempo kann aber ohne die restlichen Instrumente erstaunlich schwierig einzuschätzen sein. Also gilt: Vorher ausprobieren, beats-per-minute notieren. Wenn die Metronomspur läuft kann nichts mehr schiefgehen!
  • Der Song beginnt besser zu grooven, wenn die Musiker ihre Akzente relativ zu einem gleichmässigen Pulsschlag setzen können.
  • Der Sound der Aufnahme wird besser und der Mix wird konsistenter, da exakt platzierte Noten auf allen Spuren den Zusammenklang der Instrumente besser betonen. Bei gegeneinander „wandernden“ Spuren hingegen ändert sich die  Klangfarbe der gemeinsam betonten Schläge ständig – das ist eine schlechte Ausgangsbasis für einen guten Endmix.
  • Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Ein Song, dessen Spuren auf Click eingespielt sind lässt sich hinterher vernünftig bearbeiten! Man kann in der Recordingsoftware gezielt zu einem bestimmten Takt springen, dort die Spuren schneiden und Korrekturen aufnehmen, kleine Unsauberkeiten ausbessern, verschiedene Takes einfügen und testen und vieles mehr. Man kann bei Bedarf bei halbwegs modernen Recordingprogrammen sogar mit der Songstruktur experimentieren und Teile testweise umgruppieren um andere Abläufe zu testen – völlig undenkbar wenn die Taktgrenzen ohne ein festes Raster im Nichts schweben.

Der letzte Punkt dieser (sicherlich nicht vollständigen) Aufzählung ist meiner Meinung nach besonders zu betonen. Jeder der schon einmal versucht hat, in Aufnahmespuren herumzupfuschen bei denen man die Taktgrenzen durch Ausprobieren herausfinden muss und Audioclips freifliegend hin- und herschubst, der hat sicherlich schnell entnervt aufgegeben. Dann müssen Fehler und Wackler leider in der Aufnahme verbleiben…. schade drum, oder?
Fazit: Wie bereits oben festgestellt ist kaum ein anderes Werkzeug so mächtig und gleichzeitig so einfach wie eine gut vorbereitete Metronomspur. Nur eines muss man eben tun : Mit Metronom üben. Aber was gibt es schon umsonst im Leben….

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2 Comments
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    Tom

    April 4, 2011

    Prinzipiell kann ich dem aus meinen Erfahrungen nur zustimmen. Trotzdem glaube ich, dass es Bands gibt, bei denen der Verzicht auf einen Click evtl. wirklich von Vorteil ist. Manche Bands, z.B. gerade im rohen Punk oder Hardcorebreich funktionieren am Besten im „Livebetrieb“ und verlieren tatsächlich jede Energie oder besser ihre Magie wenn sie 100% in den Takt gezwungen werden.

    Aber da kann man streiten. Nicht streiten kann man drüber, dass meiner Meinung jeder, der sich für einen Musiker hält, gefälligst theorethisch auf KLick spielen können MUSS wenn er im Studio aufschlägt. Ist leider nicht der Normalfall – da schüttle ich regelmäßig den Kopf. Ziemlich geile Band habt ihr da übrigens. Kannte euch noch gar nicht. Mal schauen – Onkel Amazon bringt mir euer Album die nächsten Tage.

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      Anonymous

      April 13, 2011

      Klick gehört zur Studioarbeit. Fertig. Musiker, die das nicht drauf haben, können wieder in ihre Keller gehen oder halt ihr Geld verbrennen wenn sie ins Studio gehen. Das eigene oder das Anderer. Ist egal. Amateure mit Pseudokünstlerischen Ansprüchen bin ich genug begegnet – hängt eine größere Produktion dahinter fackel ich nicht mehr lange und rufe Studiomusiker an.

      Schöner Artikel.

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