Audiotechnik Off topic

Ja wo spielen sie denn? – Effektspuren fuer konsistente Raeume

By on Juni 4, 2011

Ein Studioeffekt um den keine Produktion herum kommt ist der Reverb, zu deutsch die Raumsimulation. Kein Geräusch welches wir im Alltag hören existiert losgelöst von der Umgebung in der es Auftritt – Wenn jemand spricht, dann hören wie niemals nur eine Stimme, sondern eine Stimme im Treppenhaus, eine Stimme im Nebenzimmer, eine Stimme in der Kirche … und so weiter.
Dementsprechend empfindlich sind unsere Ohren auf den Raumeindruck. Im Studio ist es jedoch möglich, den Raum von einer Stimme oder einem Instrument abzukoppeln, in dem das Signal möglichst trocken, also ohne Reflektionen aus dem Raum aufgenommen wird. Das ist mit geschickter Mikrofonplatzierung und geeigneten Wänden problemlos zu erreichen. Bei synthetischen Instrumenten, welche vor der Wiedergabe noch nie einen Raum „gesehen“ haben, ist das Signal sogar zu 100% trocken abrufbar. Allerdings empfindet unser Gehirn das zurecht als unnatürlich, da es solche Signale im Alltag eigentlich nicht gibt. Da ist es nicht verwunderlich, dass ein Instrument oder eine Stimme völlig ohne Raumbezug sehr seltsam klingt.
Das bringt uns natürlich postwendend zum Thema, nämlich dass daher im Studio ständig künstliche Räume zu Signalen hinzugefügt werden (müssen) – egal ob über Effektprozessoren, über Software oder den unvermeidlichen „Reverb“-Knopf am Gitarrenamp. Wie aus der Aufzählung der Raumquellen bereits ersichtlich, werden sich am Ende im Mix eine Vielzahl von Räumen tummeln. Grosse, kleine, runde, eckige, dumpfe, helle… – die heutigen Reverbalgorithmen bieten alle Möglichkeiten.
Nun jedoch meldet sich unser Gehör schon wieder zu Wort: Wieso können die Instrumente in verschiedenen Räumen gleichzeitig spielen? Wir können doch nur in einem Raum zu gleichen Zeit sein und dort zuhören? Wieso steht der Sänger in einer Kirche, der Basser in einem Kleiderschrank und der Drummer im Keller? Diese Verwirrung unseres Gehirns kann sich darin äußern, dass der Mix als nicht kompakt empfunden wird, d.h. die Instrument scheinen „aneinander vorbei“ zu spielen, selbst wenn die eingespielten Spuren eigentlich von guter Qualität sind.
Aber auch hier gibt es – wie in der Abbildung verdeutlicht- eine praktische Abhilfe : Effektspuren.
Die Möglichkeit Effektspuren anzulegen bietet jede halbwegs moderne Recordingsoftware (es handelt sich um die Software-Variante der berühmten „Effect Send“/“Effect Return“-Schleife am Mischpult). Eine Effektspur enthält nur den zu verarbeitenden Effekt, in unserem Fall ein Reverb-Plugin. Dieses wird auf ein dry/wet-Verhältnis von „100% wet“ gestellt, d.h. es wird 100% Effektsignal und 0% Originalsignal weitergegeben. Die korrekte Einstellung lässt sich durch ein Solo-Schalten der Effektspur leicht überprüfen : Dann darf nur noch die Hallfahne ohne Instrumente zu hören sein (das klingt übrigens noch seltsamer als eine trockene Spur).

Bild zum Artikel über Räume

Signalwege für inkonsistente Räume (rot) und konsistente Räume (blau)

Nun wird diese Spur durch die Effekt-Sends der Instrumentenspuren mit den Originalsignalen beschickt, und diese werden alle durch die gleiche Raumsimulation verarbeitet. Die von allen Instrumenten und Stimmen erzeugte gemeinsame Hallfahne wird den trocken gemischten Spuren im Gesamten zugemischt – und hoppla : schon steht die ganze im Band zusammen im gleichen Raum! Natürlich wird es meistens Praxis sein, bestimmte Spuren – vornehmlich Gesangsspuren – durch eine getrennte Effektierung nochmals prägnanter hervorzuheben. Sollte sich im Playback jedoch das Gefühl eines echten Zusammenspiels nicht so recht einstellen wollen, dann kann es sich lohnen die Musiker alle zusammen in den gleichen Raum zu schicken… Viel Spaß beim Testen!

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4 Comments
  1. Antworten

    Andreas

    Juni 7, 2011

    Definitiv mal ein wirklich hilfreicher Artikel. Nicht eben einfach zu verstehen. Dafür umso interessanter. Ich jedenfalls hatte den ein oder anderen Aha-Effekt.

  2. Berger Markus
    Antworten

    sequencer

    Juni 8, 2011

    Freut mich dass der Artikel Dir gefällt! Wenn Du zu diesem oder irgendeinem Artikel Fragen hast dann melde Dich,
    vielleicht können wir den Aha-Effekt noch verstärken 🙂

  3. Antworten

    Kassandra

    Juli 7, 2011

    i wanted to use your rss-FEED but feed site displays me some crazy xml errors.

    • Antworten

      Alexander Göhs

      Juli 7, 2011

      Hi Kassandra,

      which browser do you use? I had not the time to test every function in every relevant browser yet- but i do know that chrome produces this XML-Error as descriped. It’s possible that other browsers in specific versions don’t support this specific functionality of http://www.danteblog.de either. Firefox, Safari and Internet Explorer support RSS correctly. Just try it in Firefox 4+ 🙂

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