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Eine Bestandsaufnahme: Ueber den Sinn und Unsinn von Flyern

By on Februar 14, 2011

Er ist das Werbemittel Nummer 1 für eine junge und unbekannte Band – der gute alte Flyer. Mit keinem Printmedium lässt sich so kostengünstig ein Konzert oder ein Album bewerben. Auch bei höherer Stückzahl bleibt er bezahlbar. Selbst wenn er ,wie noch in den frühen Neunziger Jahren noch Desöfteren der Fall, mit Schere und eigenem Nadeldrucker hergestellt wurde und optisch so gut wie nichts hermacht, erfüllt er zielsicher seinen Zweck – meist besteht dieser darin, auf ein kleines Konzert aufmerksam zu machen. Auf diesen Zweck komme ich später noch einmal zurück.

Sammlung von Flyern

Flyer – sie können schön sein aber sind sie auch sinnvoll?

Nur: generiert ein Flyer auch Publikum und das umso mehr je schöner er gestaltet ist? Denn wenn wir ehrlich sind, erhoffen wir Musiker doch genau das, schlimmer noch, viele von uns gehen sogar davon aus. Mehr oder weniger verzweifelt, denn andere Werbemittel sind für eine kleine Band einfach nicht ökonomisch. Ich behaupte: Der klassische Flyer generiert nur dann Publikum, wenn ohnehin ein Interesse  – also eine Nachfrage an dem Konzert der jeweiligen Band besteht. Um dies zu verdeutlichen ein kleines Beispiel: Stellt euch vor, Metallica würde in Stadt XY ein Geheimkonzert in einem kleinen Club geben und einen Tag vor dem Konzert als einziges Werbemittel einen Flyer in kleiner Auflage in Umlauf bringen. Der Club würde am nächsten Tag ohne Zweifel aus allen Nähten platzen, denn jeder der diesen Flyer in die Hände bekäme wird wenigstens eine Person kennen, die ein Fan der Band ist und prompt das Handy zücken. Nach wenigen Stunden hätte wohl auch schon das Radio davon Wind bekommen, Facebok & Co würden den Rest erledigen. Band XY unbekannt hingegen kann sein Konzert auch wochenlang mit Flyern bewerben bis sie schwarz wird – es kommen nicht mehr oder weniger Gäste zu ihrem Konzert. Ganz einfach weil niemand Band XY kennt.

Ist es euch schon aufgefallen, dass kleine Veranstalter seit Aufkommen des Internets immer seltener Konzerte lokaler Bands per Flyer bewerben sondern diese Werbemaßnahme lieber auf die Bands selbst abwälzen? Das beruht auf Erfahrung. So günstig ein Flyer sein mag, er kann auf direktem Wege kein Publikum generieren, wo keines ist.

Ein Dilemma für jeden unbekannten Künstler. Da niemand Dich und Deine Band kennt, kommt auch niemand zum Konzert – um bekannt zu werden muss man jedoch vor Publikum spielen. Und eben dieses wird vom einzigen bezahlbaren Werbeträger nicht generiert.

Was also tun? Ganz auf Flyer verzichten? Wenn es nur um ein Konzert ginge würde ich sagen, das Geld kann man sich eigentlich sparen. Aber man sollte es nicht. Warum? Weil der Zweck eines Flyers eigentlich nicht ist, sofort und unmittelbar Wirkung in Form von zahlendem Publikum zu erzeugen. Sein Zweck ist es über ein Konzert einer Band und über deren Existenz zu informieren. Nicht mehr und nicht weniger. Bewirbt man jedes Konzert in seiner Heimatstadt prinzipiell mit einer kleinen Flyer Kampagne, geschieht etwas, dass sich zunächst der unmittelbaren Überprüfbarkeit entzieht. Der Name Deiner Band ist dauerhaft präsent und setzt sich langsam aber sicher in den Köpfen der potentiellen Zielgruppe fest. Irgendwann dann tritt folgender Effekt ein: Du stehst auf einer Party und erzählst, dass Du in einer Band spielst. Dein Gegenüber fragt Dich aus Höflichkeit wie die Band denn hieße und kaum hast Du den Namen gesagt geschieht etwas Erstaunliches, denn Dein Gegenüber zieht überrascht die Augenbrauen hoch und sagt sichtlich erfreut: „Hey richtig, den Namen kenne ich ja“. Wenn Du dann auf die unausweichliche Frage, wann ihr in der Nähe auftretet sagen kannst : “In zwei Wochen – wird der Betreffende vielleicht wirklich kommen und das sicher nicht allein.

Flyer, kontinuierlich und hartnäckig als Werbemittel eingesetzt, wirken also mittelbar und können auf lange Sicht hin gesehen tatsächlich eine Nachfrage nach Deiner Band und Deinen Konzerten erzeugen. Wenn es um die Entscheidung in Deiner Band geht, ob man Flyer herstellen soll oder nicht, so sollte dies eine ganz grundsätzliche Entscheidung sein. Gibt es keine Nachfrage nach eurer Band und wollt nur ein singuläres Konzert pushen und bewerben – spart euch das Geld. Euer Publikum generiert Ihr ohnehin über Mundpropaganda, Freunde und Bekannte und deren Bekannte.

Wollt ihr euch hingegen langfristig einen Namen machen, zunächst lokal und später darüberhinaus – lasst gut gestaltete Flyer drucken und setzt sie vor Allem auch ein. Seid nicht enttäuscht, wenn nach einer riesigen Flyer- Aktion auf eurem Konzert dann doch nur die üblichen Verdächtigen aufschlagen. Das ist kein Marketingunfall sondern völlig normal. Lehnt euch stattdessen zufrieden zurück im Wissen, dass immer mehr Leute durch eure Flyer von eurer Existenz wissen – und irgendwann aus Neugierde oder Gruppenzwang den Weg zu euch finden werden, wenn Ihr nur hartnäckig genug seid.

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